Zuhause bleiben, Betreutes Wohnen oder Pflegeheim?
Wohnformen im Alter in Österreich im Vergleich
Lesezeit: ca. 10 Minuten
Viele Menschen möchten möglichst lange selbstbestimmt wohnen. Doch irgendwann stellt sich die Frage: Reicht die eigene Wohnung noch aus? Wäre Betreutes Wohnen sinnvoll? Oder ist ein Pflegeheim die sicherere Lösung?
Die Entscheidung ist selten einfach. Sie hängt nicht nur von der Pflegestufe ab, sondern auch von Mobilität, Wohnsituation, Sturzrisiko, Demenz, familiärer Unterstützung und den persönlichen Wünschen der betroffenen Person.
Dieser Ratgeber vergleicht die wichtigsten Wohnformen im Alter in Österreich: zuhause bleiben mit Unterstützung, Tagesbetreuung, 24-Stunden-Betreuung, Betreutes Wohnen und Pflegeheim. Ziel ist eine praktische Entscheidungshilfe – ohne Schönreden, aber auch ohne Angst zu machen.
Inhaltsverzeichnis:
1. Die wichtigsten Wohnformen im Überblick
2. Zuhause bleiben mit mobiler Unterstützung
3. Tageszentren und Tagesbetreuung: Entlastung untertags
4. 24-Stunden-Betreuung im eigenen Haushalt
5. Betreutes Wohnen: Sicherheit mit eigener Wohnung
6. Pflegeheim: Wenn dauerhafte Betreuung nötig wird
7. Kosten im Überblick
8. Pflegegeld, Förderungen und Entlastung für Angehörige
9. Entscheidungshilfe: Welche Wohnform passt?
10. Häufige Fragen zu Wohnformen im Alter
11. Hinweise und Quellen
Die wichtigsten Wohnformen im Überblick
Im Alter gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten – „zuhause“ oder „Heim“. Dazwischen liegen mehrere Abstufungen.
Zuhause bleiben bedeutet: Die Person lebt weiter in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus. Unterstützung kommt durch Angehörige, Heimhilfe, mobile Pflege, Essen auf Rädern, Notrufsysteme oder Umbauten.
Tagesbetreuung bedeutet: Die Person wohnt weiterhin zuhause, verbringt aber einzelne Tage oder mehrere Tage pro Woche in einer betreuten Einrichtung. Das entlastet Angehörige und bringt soziale Kontakte.
24-Stunden-Betreuung bedeutet: Eine Betreuungskraft lebt im Haushalt und unterstützt im Alltag. In der Praxis wechseln sich meist zwei Betreuungskräfte ab.
Betreutes Wohnen bedeutet: Man lebt in einer eigenen, meist barrierefreien Wohnung, hat aber zusätzliche Sicherheit durch Notruf, Ansprechpersonen oder Serviceangebote.
Pflegeheim bedeutet: Unterkunft, Betreuung, Pflege und Verpflegung werden dauerhaft in einer Einrichtung organisiert.
Welche Wohnform passt, hängt vor allem von einer Frage ab: Wie viel Hilfe wird regelmäßig gebraucht – und kann diese Hilfe zuhause sicher organisiert werden?
Zuhause bleiben mit mobiler Unterstützung
Die meisten Menschen möchten in der vertrauten Umgebung bleiben. Das ist oft möglich, wenn der Unterstützungsbedarf noch überschaubar ist und die Wohnung geeignet ist.
Typische Hilfen zuhause sind:
- Heimhilfe
- mobile Pflege
- Hauskrankenpflege
- Essen auf Rädern
- Notrufarmband oder Rufhilfe
- Besuchs- und Begleitdienste
- Physiotherapie oder Ergotherapie
- barrierefreie Umbauten
- Unterstützung durch Angehörige
Mobile Dienste kommen stundenweise nach Hause. Sie helfen zum Beispiel beim Waschen, Anziehen, bei Medikamenten, beim Haushalt oder bei einfachen Wegen.
Vorteile
Zuhause bleiben bietet die größte Vertrautheit. Die Person kennt die Wohnung, die Nachbarschaft, den Tagesablauf und die eigenen Gewohnheiten. Das kann besonders bei beginnender Demenz wichtig sein.
Außerdem lässt sich Hilfe oft schrittweise erhöhen. Zuerst reicht vielleicht Essen auf Rädern, später kommt Heimhilfe dazu, danach mobile Pflege oder ein Notrufsystem.
Nachteile
Die Organisation bleibt häufig bei Angehörigen hängen. Termine, Dienste, Medikamente, Arztbesuche, Rechnungen und Pflegegeldanträge müssen koordiniert werden.
Auch die Wohnung selbst kann zum Problem werden: Stiegen, Schwellen, enge Bäder, rutschige Böden oder fehlende Haltegriffe erhöhen das Risiko für Stürze. Bei nächtlicher Unruhe, starker Demenz oder häufigem Hilfebedarf kann die Versorgung zuhause schnell an Grenzen stoßen.
Zuhause bleiben passt vor allem dann, wenn die Wohnung sicher ist, der Pflegebedarf planbar bleibt und Angehörige oder mobile Dienste zuverlässig unterstützen können.
Tageszentren und Tagesbetreuung: Entlastung untertags
Tageszentren sind eine wichtige Zwischenlösung zwischen zuhause wohnen und Pflegeheim. Die pflegebedürftige Person lebt weiterhin zuhause, verbringt aber einzelne Tage oder mehrere Tage pro Woche in einer betreuten Einrichtung.
Je nach Angebot gibt es dort:
- Betreuung und Pflege während des Tages
- gemeinsame Mahlzeiten
- Aktivierung und Beschäftigung
- Gedächtnistraining
- Bewegung
- soziale Kontakte
- teilweise Therapieangebote
- Entlastung für Angehörige
Tagesbetreuung ist besonders sinnvoll, wenn Angehörige berufstätig sind, tagsüber Entlastung brauchen oder die betreute Person zuhause zunehmend einsam wird.
Vorteile
Die Person bleibt in der eigenen Wohnung, bekommt aber untertags Struktur, Betreuung und Gesellschaft. Angehörige gewinnen Zeit für Arbeit, Erholung oder organisatorische Aufgaben.
Nachteile
Tagesbetreuung löst nicht alle Probleme. Nächtliche Unruhe, hoher Pflegebedarf oder starke Demenz können weiterhin zusätzliche Hilfe nötig machen. Außerdem muss der Transport zum Tageszentrum organisiert werden.
Tageszentren eignen sich vor allem für Menschen, die zuhause wohnen bleiben möchten, aber tagsüber nicht mehr dauerhaft allein sein sollten.
24-Stunden-Betreuung im eigenen Haushalt
Die 24-Stunden-Betreuung ist eine Möglichkeit, auch bei größerem Unterstützungsbedarf zuhause zu bleiben. Dabei lebt eine Betreuungskraft im Haushalt der betreuten Person. In der Praxis wechseln sich meist zwei Betreuungskräfte ab.
Wichtig: Eine 24-Stunden-Betreuung ist nicht dasselbe wie medizinische Pflege rund um die Uhr. Betreuungskräfte helfen vor allem im Alltag.
Typische Aufgaben sind:
- Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen
- Unterstützung beim An- und Auskleiden
- Hilfe bei einfachen Tätigkeiten der Körperpflege
- Zubereitung von Mahlzeiten
- Haushaltstätigkeiten
- Einkaufen
- Begleitung bei Wegen
- Erinnerung an Termine oder Medikamente
- Gesellschaft und Tagesstruktur
Medizinische oder pflegerische Tätigkeiten dürfen nur unter den jeweils geltenden Voraussetzungen übernommen werden.
Vorteile
Die betreute Person kann in der eigenen Wohnung bleiben. Angehörige werden entlastet, und es ist regelmäßig jemand anwesend. Besonders bei hohem Alltagsbedarf kann das eine gute Alternative zum Pflegeheim sein.
Nachteile
Es braucht ein eigenes Zimmer für die Betreuungskraft. Die Kosten bleiben trotz Förderung erheblich. Außerdem müssen Angehörige oder bevollmächtigte Personen weiterhin kontrollieren, organisieren und Entscheidungen treffen.
Eine 24-Stunden-Betreuung eignet sich vor allem, wenn die Wohnung geeignet ist, der Gesundheitszustand stabil bleibt und keine dauerhaft intensive medizinische Pflege nötig ist.
Betreutes Wohnen: Sicherheit mit eigener Wohnung
Betreutes Wohnen verbindet Selbstständigkeit mit zusätzlicher Sicherheit. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in einer eigenen Wohnung oder einem Appartement. Dazu kommen je nach Anbieter Grundleistungen wie Notruf, Ansprechperson, Hausbetreuung, Gemeinschaftsräume oder Freizeitangebote.
In Österreich gibt es für Betreutes Wohnen keine völlig einheitlichen Standards für alle Anbieter und Bundesländer. Deshalb unterscheiden sich Angebote, Preise und Leistungen deutlich.
Typische Bestandteile sind:
- eigene Wohnung
- barrierefreie oder barrierearme Bauweise
- Notrufsystem
- Ansprechperson im Haus oder in der Anlage
- Gemeinschaftsräume
- soziale Aktivitäten
- Betreuungspauschale
- Zusatzleistungen gegen extra Bezahlung
Zusatzleistungen können zum Beispiel Essen, Reinigung, Wäsche, Heimhilfe, mobile Pflege oder Begleitdienste sein.
Vorteile
Betreutes Wohnen ist für Menschen interessant, die noch weitgehend selbstständig sind, aber nicht mehr völlig allein wohnen möchten. Es bietet mehr Sicherheit als eine normale Wohnung, aber mehr Eigenständigkeit als ein Pflegeheim.
Ein weiterer Vorteil: soziale Kontakte. Gemeinschaftsräume, Veranstaltungen oder Nachbarschaft im Haus können Einsamkeit verringern.
Nachteile
Der wichtigste Punkt: Pflege ist oft nicht automatisch enthalten. Wer später mehrmals täglich Pflege braucht, zahlt häufig Miete, Betreuungspauschale und zusätzlich mobile Dienste. Dadurch können die Kosten stark steigen.
Betreutes Wohnen ist daher kein Ersatz für ein Pflegeheim, wenn bereits hoher Pflegebedarf, starke Demenz oder dauerhafte Betreuung nötig ist.
Vor Vertragsabschluss sollte man genau prüfen:
- Was ist in der Miete enthalten?
- Welche Betreuungspauschale ist verpflichtend?
- Welche Leistungen kosten extra?
- Gibt es ein Notrufsystem?
- Ist Pflege im Haus verfügbar oder extern zu organisieren?
- Kann man den Pflegedienst frei wählen?
- Was passiert bei steigender Pflegebedürftigkeit?
- Gibt es Kündigungsfristen oder Wechselmöglichkeiten?
Betreutes Wohnen passt vor allem für Menschen, die noch selbstständig leben können, aber mehr Sicherheit, Barrierefreiheit und soziale Nähe möchten.
Pflegeheim: Wenn dauerhafte Betreuung nötig wird
Ein Pflegeheim, Altenheim oder Pflegewohnhaus kommt dann infrage, wenn Betreuung und Pflege zuhause nicht mehr ausreichend gesichert werden können.
Das kann zum Beispiel der Fall sein bei:
- hohem Pflegebedarf
- starker Sturzgefahr
- fortgeschrittener Demenz
- nächtlicher Unruhe
- fehlender familiärer Unterstützung
- ungeeigneter Wohnung
- Überforderung pflegender Angehöriger
- regelmäßig notwendiger fachpflegerischer Betreuung
Pflegeheime bieten Unterkunft, Verpflegung, Betreuung, Pflege und soziale Angebote in einer Einrichtung. Je nach Haus gibt es Einzelzimmer, Gemeinschaftsräume, Aktivierungsangebote, Therapien, Veranstaltungen und Besuchsmöglichkeiten.
Vorteile
Im Pflegeheim ist Personal regelmäßig verfügbar. Angehörige werden organisatorisch entlastet, und die Versorgung ist nicht mehr von einzelnen Familienmitgliedern abhängig. Für manche Menschen ist das Pflegeheim deshalb nicht nur ein Einschnitt, sondern auch eine deutliche Entlastung.
Nachteile
Der Umzug bedeutet den Verlust der gewohnten Umgebung. Privatsphäre, Tagesablauf und Selbstbestimmung verändern sich. Auch die Qualität und Atmosphäre unterscheiden sich je nach Einrichtung.
Ein Pflegeheim sollte nicht automatisch als „Scheitern“ betrachtet werden. Wenn die Versorgung zuhause nicht mehr sicher ist, kann es die vernünftigste und menschlichste Lösung sein.
Kosten im Überblick
Die Kosten unterscheiden sich stark nach Bundesland, Anbieter, Pflegebedarf und persönlicher Situation. Ein direkter Vergleich ist daher nur begrenzt möglich.
| Wohnform | Typische Kostenstruktur | Häufige Kostenfalle |
|---|---|---|
| Zuhause mit mobilen Diensten | Wohnkosten plus mobile Hilfe nach Stunden oder Tarif | viele Einsätze können teuer werden |
| Tagesbetreuung | Tagespauschale bzw. Kostenbeitrag, oft abhängig von Einkommen und Pflegebedarf | Transport und zusätzliche Abend-/Nachtbetreuung bleiben zu klären |
| 24-Stunden-Betreuung | Betreuung, Agentur, Fahrtkosten, Unterkunft und Verpflegung | Förderung deckt nur einen Teil |
| Betreutes Wohnen | Miete, Betriebskosten, Betreuungspauschale, Zusatzleistungen | Pflege oft nicht im Grundpreis |
| Pflegeheim | Heimkosten, Pflegezuschlag, Kostenbeitrag aus Einkommen und Pflegegeld | Höhe unterscheidet sich stark je nach Bundesland und Einrichtung |
Der wichtigste praktische Unterschied: Zuhause, Tagesbetreuung und Betreutes Wohnen können bei geringem Pflegebedarf günstiger sein. Bei hohem Pflegebedarf können die Zusatzkosten aber stark steigen.
Beim Pflegeheim sind die Kosten meist höher, dafür sind Unterkunft, Betreuung, Verpflegung und Pflege in einer Einrichtung gebündelt. Je nach Bundesland, Einrichtung und Pflegebedarf können die Heimkosten mehrere Tausend Euro pro Monat betragen.
Was mit Haus, Wohnung, Vermögen und Erbe passiert, wenn ein Pflegeheim notwendig wird, ist eine eigene wichtige Frage. Die Kurzfassung: Seit Abschaffung des Pflegeregresses ist Vermögen grundsätzlich geschützt, laufendes Einkommen wird aber weiterhin berücksichtigt. Details erklären wir im eigenen Finanz-Ratgeber „Pflegeheim und Vermögen in Österreich“.
Pflegegeld, Förderungen und Entlastung für Angehörige
Das Pflegegeld ist die wichtigste finanzielle Grundlage bei Pflege und Betreuung in Österreich. Es wird in sieben Stufen gewährt und richtet sich nach dem Pflegebedarf.
Die Beträge für 2026:
| Pflegestufe | Pflegebedarf pro Monat | Betrag 2026 pro Monat |
| 1 | mehr als 65 Stunden | 206,20 Euro |
| 2 | mehr als 95 Stunden | 380,30 Euro |
| 3 | mehr als 120 Stunden | 592,60 Euro |
| 4 | mehr als 160 Stunden | 888,50 Euro |
| 5 | mehr als 180 Stunden und außergewöhnlicher Pflegeaufwand | 1.206,90 Euro |
| 6 | mehr als 180 Stunden und zeitlich unkoordinierbare Betreuung oder dauernde Anwesenheit nötig | 1.685,40 Euro |
| 7 | mehr als 180 Stunden und schwerste Bewegungseinschränkung | 2.214,80 Euro |
Pflegegeld ist ein pauschaler Beitrag zu pflegebedingten Mehraufwendungen. Es deckt die tatsächlichen Kosten oft nicht vollständig ab.
Förderung der 24-Stunden-Betreuung
Für eine 24-Stunden-Betreuung gibt es unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung. Wichtig sind vor allem:
- Die betreuungsbedürftige Person muss eine bis zu 24-Stunden-Betreuung benötigen.
- Es muss Pflegegeld ab Stufe 3 bezogen werden.
- Das monatliche Nettoeinkommen der betreuten Person darf grundsätzlich 2.500 Euro nicht übersteigen.
- Pflegegeld, Sonderzahlungen, Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Wohnbeihilfe zählen nicht zum Einkommen.
- Das Vermögen der betreuten Person bleibt unberücksichtigt.
- Für unterhaltsberechtigte Angehörige kann sich die Einkommensgrenze erhöhen.
- Die Betreuung muss den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.
Die Förderung beträgt bei selbstständigen Betreuungskräften 400 Euro pro Monat und Betreuungskraft, maximal 800 Euro monatlich bei zwei Betreuungskräften. Bei unselbstständigen Betreuungskräften beträgt sie 800 Euro pro Monat und Betreuungskraft, maximal 1.600 Euro monatlich bei zwei Betreuungskräften.
Wichtig: Die Förderung wird nicht automatisch mit dem Pflegegeld ausbezahlt. Sie muss beim Sozialministeriumservice beantragt werden.
Angehörigenbonus
Der Angehörigenbonus unterstützt Personen, die nahe Angehörige mit mindestens Pflegegeldstufe 4 überwiegend zuhause pflegen.
Für 2026 beträgt der Angehörigenbonus 134,30 Euro monatlich. Es gibt unterschiedliche Varianten: Personen mit begünstigter Selbst- oder Weiterversicherung in der Pensionsversicherung erhalten ihn unter bestimmten Voraussetzungen automatisch. Andere nahe Angehörige können ihn beantragen, wenn sie unter anderem seit mindestens einem Jahr überwiegend pflegen und die Einkommensgrenze einhalten. Für diese Antragsvariante liegt die Einkommensgrenze 2026 bei durchschnittlich höchstens 1.710,90 Euro netto monatlich.
Pflegekarenz und Pflegeteilzeit
Für berufstätige Angehörige können Pflegekarenz und Pflegeteilzeit wichtig sein. Sie ermöglichen eine befristete Freistellung oder Reduktion der Arbeitszeit, wenn ein naher Angehöriger gepflegt oder eine neue Pflegesituation organisiert werden muss.
Unter bestimmten Voraussetzungen besteht Anspruch auf Pflegekarenzgeld. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf zunächst zwei Wochen Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit. Kommt in dieser Zeit keine Vereinbarung über eine längere Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit zustande, kann ein Anspruch auf bis zu weitere zwei Wochen bestehen – insgesamt also bis zu vier Wochen.
Für längere Zeiträume braucht es in der Regel eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber.
Ersatzpflege und Entlastung
Pflegende Angehörige brauchen manchmal selbst eine Pause – etwa wegen Krankheit, Urlaub oder Überlastung. Dafür gibt es unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Unterstützung für Ersatzpflege. Auch Tageszentren, Kurzzeitpflege und mobile Dienste können helfen, die Pflege zuhause länger tragbar zu machen.
Wichtig: Pflegegeld, 24-Stunden-Förderung, Angehörigenbonus, Pflegekarenzgeld und Ersatzpflege sind unterschiedliche Leistungen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie sollten getrennt geprüft werden.
Entscheidungshilfe: Welche Wohnform passt?
Eine gute Entscheidung beginnt nicht mit dem Preis, sondern mit dem tatsächlichen Bedarf.
Wichtige Fragen sind:
- Wie viel Hilfe wird täglich gebraucht?
- Gibt es bereits eine Pflegestufe?
- Ist die Wohnung barrierefrei oder anpassbar?
- Gibt es Stiegen, Schwellen oder ein ungeeignetes Bad?
- Besteht Demenz, nächtliche Unruhe oder Weglauftendenz?
- Sind Angehörige verfügbar – und wie belastbar sind sie wirklich?
- Ist eine Betreuungskraft im Haushalt möglich?
- Gibt es passende Tagesbetreuung in der Nähe?
- Wie wichtig sind soziale Kontakte?
- Was wünscht sich die betroffene Person selbst?
- Welche Lösung ist auch in einem Jahr noch tragbar?
Eine einfache Orientierung:
Zuhause mit mobilen Diensten passt häufig bei geringem bis mittlerem Unterstützungsbedarf.
Tagesbetreuung passt, wenn jemand zuhause wohnen bleiben kann, aber tagsüber Betreuung, Struktur und soziale Kontakte braucht.
24-Stunden-Betreuung passt, wenn laufende Alltagsbegleitung nötig ist und die Wohnung geeignet bleibt.
Betreutes Wohnen passt, wenn jemand selbstständig ist, aber mehr Sicherheit, Barrierefreiheit und soziale Kontakte möchte.
Pflegeheim passt, wenn Pflege und Betreuung dauerhaft, häufig oder rund um die Uhr professionell abgesichert sein müssen.
Vor einer Entscheidung sollte man eine neutrale Beratung nutzen. In Wien ist der Fonds Soziales Wien eine zentrale Anlaufstelle. In anderen Bundesländern helfen je nach Wohnort Landesstellen, Bezirksverwaltungsbehörden, Sozialhilfeverbände, Gemeinden oder Pflegeberatungsstellen.
Häufige Fragen zum barrierefreien Wohnen
Ist Betreutes Wohnen dasselbe wie ein Pflegeheim?
Nein. Betreutes Wohnen bedeutet meist eine eigene Wohnung mit Serviceleistungen. Ein Pflegeheim bietet dagegen dauerhafte Betreuung und Pflege in einer Einrichtung.
Ist Pflege im Betreuten Wohnen automatisch enthalten?
Nein. Häufig sind nur Grundleistungen wie Notruf, Ansprechperson oder Gemeinschaftsangebote enthalten. Pflege, Reinigung, Essen oder Heimhilfe können Zusatzleistungen sein und extra kosten.
Was ist der Unterschied zwischen Tagesbetreuung und Pflegeheim?
Bei Tagesbetreuung wohnt die Person weiterhin zuhause und besucht nur tagsüber eine betreute Einrichtung. Im Pflegeheim lebt die Person dauerhaft in der Einrichtung.
Muss man mit hoher Pflegestufe automatisch ins Pflegeheim?
Nein. Auch mit höherer Pflegestufe kann ein Leben zuhause möglich sein, etwa mit 24-Stunden-Betreuung, mobilen Diensten, Tagesbetreuung und Angehörigenhilfe. Entscheidend ist, ob die Versorgung sicher und dauerhaft organisierbar ist.
Wann ist ein Pflegeheim sinnvoll?
Wenn die Sicherheit zuhause nicht mehr gewährleistet ist, Angehörige überlastet sind, Demenz stark fortschreitet oder häufig fachpflegerische Betreuung nötig wird.
Was ist die häufigste Kostenfalle?
Bei Betreutem Wohnen wird oft unterschätzt, dass Pflegeleistungen nicht automatisch enthalten sind. Bei steigendem Pflegebedarf können erhebliche Zusatzkosten entstehen.
Wo bekommt man Beratung?
In Wien beim Fonds Soziales Wien. In anderen Bundesländern je nach Wohnort bei Landesstellen, Bezirksverwaltungsbehörden, Gemeinden, Sozialhilfeverbänden oder Pflegeberatungsstellen.
HINWEIS
Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Pflege-, Sozial-, Rechts- oder Steuerberatung. Kosten, Förderbedingungen, Pflegeangebote und Zuständigkeiten können sich ändern und unterscheiden sich je nach Bundesland, Anbieter und persönlicher Situation. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte direkt an die zuständige Pflegeberatung, den Fonds Soziales Wien, Ihre Gemeinde, die Bezirksverwaltungsbehörde, das Sozialministeriumservice oder Ihre pensionsauszahlende Stelle.
Besonders wichtig bei diesem Thema: Die passende Wohnform hängt nicht nur von der Pflegestufe ab, sondern auch von Sicherheit, Wohnsituation, Demenz, familiärer Unterstützung und der Belastung pflegender Angehöriger. Holen Sie vor größeren Entscheidungen eine neutrale Pflegeberatung ein und prüfen Sie Förderungen immer vor Vertragsabschluss oder Beauftragung.
QUELLEN
Alle Angaben in diesem Beitrag entsprechen dem Stand 22. Juni 2026 und basieren auf folgenden offiziellen Quellen:
Sozialministerium: Pflegegeld; 24-Stunden-Betreuung; Pflege und Betreuung; betreuende und pflegende Angehörige; Pflegekarenz und Pflegeteilzeit – sozialministerium.gv.at
Sozialministeriumservice (SMS): Förderung der 24-Stunden-Betreuung; Unterstützungen für pflegende Angehörige; Ersatzpflege und Unterstützungsfonds – sozialministeriumservice.at
oesterreich.gv.at: Pflegegeld; 24-Stunden-Betreuung; Pflegeheim; Betreutes Wohnen; Wohnen zu Hause; Tageszentren; Pflegekarenz und Pflegeteilzeit – oesterreich.gv.at
Pflege.gv.at: Pflegeangebote, Pflegeheime, mobile Dienste, 24-Stunden-Betreuung, Pflegegeld und Pflegeberatung – pflege.gv.at
Gesundheit.gv.at: Altersgerechtes Wohnen; Betreutes Wohnen; Informationen zu fehlenden einheitlichen Standards beim Betreuten Wohnen – gesundheit.gv.at
Fonds Soziales Wien (FSW): Mobile Pflege, Tageszentren, Pflegewohnhäuser und Beratung in Wien – fsw.at
Pensionsversicherungsanstalt (PVA): Pflegegeld und Antragstellung – pv.at
Pflegeberatungsstellen und Sozialhilfeträger der Bundesländer: länderspezifische Angebote, Kostenbeiträge und Zuständigkeiten
Da sich Beträge, Förderbedingungen, Pflegeangebote und Zuständigkeiten ändern können – und je nach Bundesland unterschiedlich sind – empfehlen wir, konkrete Fragen direkt bei der zuständigen Pflegeberatung, dem Sozialministeriumservice, dem Fonds Soziales Wien, Ihrer Gemeinde oder Ihrer pensionsauszahlenden Stelle zu klären.
Das könnte Sie auch Interessieren:
Pflegeheim und Vermögen: Was passiert mit Haus, Pension und Erbe in Österreich →
